Spirituelle Kunst – MEIN PERSÖNLICHER MYTHOS

Spirituelle Kunst – MEIN PERSÖNLICHER MYTHOS

Spirituelle Kunst

Dieses Buch wurde nicht

für irgendwelche Leser geschrieben

und ist nicht auf deren Bedürfnisse zugeschnitten.

Dieses Buch

oder besser: sein Manuskript

entstand unter dem Motiv,

auf die Frage

„Wer ist dieser Jonas?“

Antwort zu erhalten.

Alle Szenen, alle Handlungen, alle Gespräche

wurden unter dem Gesichtspunkt inszeniert,

sich dieser Person zu nähern,

sie zu umkreisen

und ihre Konturen zu finden.

Nicht ich,

die Schreiberin,

habe mir diese Geschichte ausgedacht,

sondern wirklich inszeniert

wurde sie von ihren Darstellern

Christian, Brita, Dave und Eva

und vor allen Dingen

von Jonas selbst.

JONAS - Tusche auf Papier, 12 x 15 cm, 2003

Sie lebten mir

Szene für Szene,

Kapitel für Kapitel,

Gespräch für Gespräch vor

und ich schrieb nur.

So konnte ich erfahren, wer Jonas eigentlich ist,

der meine Tagbücher

lange Zeit unbeachtet

wie ein roter Faden durchzieht.

So entstand mein persönlicher Mythos.

Heute gehe ich sogar noch weiter

als Jonas nur als Symbol

eines Teils meiner Psyche zu sehen.

Ich sage,

er ist eine Persönlichkeit,

eine zweite Seele,

die mit meiner Seele gemeinsam

in meinem Körper wohnt.

Und mehr noch:

Diese zweite Seele

wurde mir mitgegeben,

um eine wichtige Aufgabe zu erfüllen.

Sie ist mein persönlicher Berater

und ein Vermittler

zwischen mir und Gott, sie ist mein Selbst.

KRISHNA und RADHA

So hat Jonas Gestalt angenommen

und mir die Geschichte der Schattenfindung vorgelebt,

um für mich greifbar zu sein

und erkannt zu werden.

Jetzt nach 59 Jahren in diesem Leben

kann ich es endlich so formulieren.

KOMET - Öl auf Leinwand, 80 x 80 cm; 6/13

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Spirituelle Kunst – SCHMERZTRÄGER

Spirituelle Kunst – SCHMERZTRÄGER

VERLOREN

Gott hat mich dir geschickt,

um deinen Schmerz zu ertragen.

Er hat mich dir zugesellt,

um deine Verlassenheit zu ertragen.

Wie wertlos kamst du dir vor,

wie verzweifelt warst du!

Was hat man dir angetan!

Wie difus!

Verwirrt wolltest du das Gegenteil beweisen. So ein Druck!

Wie solltest du das ertragen,

wußtest du doch noch nicht einmal,

warum man dich verstieß.

VERLOREN AUSSCHNITT 2

Du gabst alles, was du konntest:

Deine Fähigkeiten, deine Liebe, deinen Körper, dich selbst,

wann immer du konntest.

Das konnte nicht gut gehen.

Du gabst dich auf

und niemand hat es wertgeschätzt.

Du wußtest nicht mehr, wer du bist.

Die Not war grenzenlos.

VERLOREN AUSSCHNITT 1

Gott hat mich dir gegeben.

Ich bin dein Schutzengel, dein Begleiter, dein Sklave, dein Held.

Ich gehöre dir.

Alles, was dich verderben will, habe ich übernommen.

All das, was man nicht beachtete,

mißachtete,

habe ich übernommen.

So kam ich in dein Leben und wartete.

Auf dich.

VERLOREN AUSSCHNITT 3

Ich kenne dein Leid. Ich trage es.

Ich bin der kleine Bruder vom Jesus.

Can you hear me?

KRIEGER - Öl auf Schiefertafel, 18 x 25,5 cm, 11/00

Spirituelle Malerei – Multiple Persönlichkeit

Spirituelle Malerei – Multiple Persönlichkeit

 Spirituelle Malerei – Multiple Persönlichkeit

UNTERWELT - Collage, 50 x 60 cm, 1999

Der Dissoziationstheorie zufolge werden Teile der Psyche abgespalten und der Ego-Kontrolle entzogen. Sie können dann ein Eigenleben entfalten, entweder als sogenannte Subpersönlichkeiten oder als mehr oder minder eigenständige „ganze“ Persönlichkeiten, wie es beim klininschen Bild der „multiplen Persönlichkeit“ der Fall ist. Diese Persönlichkeiten können Gedanken ins Ich-Bewußtsein projizieren und diese Gedanken werden von der Ich- beziehungsweise der bewußten Persönlichkeit wahrgenommen, als kämen sie von außerhalb ihrer selbst.

Die multiple Persönlichkeit bietet ein stark ausgeprägtes Beispiel für Dissoziation und gespaltenes Bewußtsein. In weniger krasser Form – dies läßt sich insgesamt der Dissoziationsforschung entnehmen – kommt diese Erscheinung freilich sehr häufig vor. Man könnte sagen, dass wir alle mit einem gewissen Grad an Dissoziation leben und dass „die Einheit des Bewußtseins“ eine Illusion ist.

Daraus wieder ergäbe sich, dass jeder – urzeitlicher Schamane, moderner Channeler, jedermann – in der Lage ist, Informationen aus dem Bereichen der Psyche zu empfangen, die außerhalb des Bewußtseinskreises liegen.

Robert N. Walsh: Der Geist des Schamanismus

FARBENLICHT I - Acryl auf Malpappe, 30 x 40 cm, 12/11

Spirituelle Kunst – Leseprobe aus der Schattenfindung: „Igor kapiert“

Spirituelle Kunst – Leseprobe „IGOR KAPIERT“

Spirituelle Kunst

Christian: Ich sah Jonas in diesem Moment als Pulverfass, das jederzeit hochgehen kann und mit einer erstaunlichen Anziehungskraft und Liebenswürdigkeit getarnt ist. Ich sah das, was allen, die ihn besitzen und beherrschen wollten, unheimlich und gefährlich erschien, vielleicht auch unberechenbar. Auch mir war etwas unheimlich zumute. Aber ich fühlte auch noch seinen Blick in mir, den er mir zugesandt hatte, bevor er Igor so elegant auf den Boden gelegt hatte. Dieser Blick hatte mir seine Verbindlichkeit gezeigt. Er hatte zwar den vorgegebenen Rahmen durchbrochen, aber es war ihm auch bewusst. Und er hoffte wohl auf mein Verständnis. Dave und ich sahen uns ernst und beeindruckt an.

„Sieben Pkws, drei Lkws, zwölf Verletzte“, zählte ich auf und Dave wußte genau, dass ich von Jonas´ Flucht redete.

Uns war wohl klar, dass Jonas diesen Schaden nicht zufällig, sondern mit voller Absicht angerichtet hatte, deutlich hatten wir es am Beispiel dieses Kampfes mit Igor sehen können.

„Keine Toten,“ ergänzte Dave zu unserer Erleichterung.

Während Igor immer noch ganz damit beschäftigt war, sich allmählich aufzurichten, zog sich Jonas zurück in die andere Hälfte des Raumes, wo ein paar Stühle standen für eventuelles Publik. Er setzte sich, sein rechtes Bein streckte er aus. Seine Lippe blutete. Erst jetzt sah man ihm an, dass es ihn Kraft gekostet hatte, scheinbar hatte er Schmerzen im Bein, während der Kampf selbst ausgesehen hatte, als wäre es eine Leichtigkeit für Jonas gewesen. Auch so äußerte sich mitunter seinen luftige Energie, die uns sonst oft so antörnte und heiter stimmte.

Igor saß jetzt aufrecht und machte keine Anstalten, sich weiter zu erheben.  Auch er blutete aus der Lippe, würde morgen wohl mit einem blauen Auge herumlaufen und hielt sich die Hand auf den Bauch. „Mein Gott!“ seufzte er. „Wißt ihr was? Das ist der Teufel persönlich.“ Das klang nicht nur erschöpft, sondern seltsamerweise fehlte der verachtungsvolle Ton von vorher.

Dave und ich besannen uns, liefen zu ihm hin und halfen ihm hoch. Gerd war indes bei Jonas und bot ihm sein Taschentuch an, um das Blut abzuwischen. Ich sah auch, wie sich Jonas an Gerds Schulter hochzog, um wieder aufzustehen.

„Der hat irgendwas in sich“, murmelte Igor ständig vor sich hin. „Wie kommt der zu so einer Power? Was ist das nur, Christian, du mußt es doch wissen, sonst hättest du ihn dir doch nicht geholt.“

Seltsam, dass Igor erst durch eine Gewaltaktion spüren konnte, was mich schon ganz von Anfang an Jonas bezaubert hatte.  Nie hatte ich mir und anderen erklären können, warum ich ihm das Leben gerettet hatte. War es dieselbe Unerklärlichkeit, die Igor jetzt auch wahrnahm? Plötzlich stand Jonas da und reichte Igor eine Flasche Bier, er selbst hatte auch eine in der Hand. Noch nie hatte er Bier oder Alkohol getrunken. Es war seltsam: Igors Verachtung und Ablehnung waren wie weggeblasen. Anstatt umso wütender auf Jonas zu sein und Vergeltung zu fordern (oder sogar Bestrafung, was er ganz leicht hätte erreichen können), staunte er nur und nahm anstandlos die Flasche entgegen. Er hob sie sogar, um symbolisch mit Jonas anzustoßen und dieser ging auf die Geste ein, guckte ihn die ganze Zeit ernst an und vermied Blickkontakt mit mir. Die beiden Streier setzten ihr Bier an und ich sah, dass Jonas die halbe Flasche in einem Zug geleert hatte (von Igor kannte man das ja, aber Jonas?). Plötzlich herrschte Frieden, wir wunderten uns alle und waren natürlich erleichtert. Aber Jonas guckte mich immer noch nicht an, schlich sich jetzt wieder davon, um die neue Wundergitarre wieder in die Hände zu nehmen. Er hängte sie sich über die Schulter. Dave war sofort Feuer und Flamme. Jonas befühlte das Instrument noch einmal und verfolgte mit den Augen das Kabel. Schließlich wagte er es, mich anzusehen. Seine weiche Seite sah mich an, seine zutrauliche Seite, die Seite, die Zuwendung und Bestätigung brauchte. Ich weiß noch, als ich Genaueres über seine Flucht erfahren hatte und völlig aufgeregt nach Hause kam, und er stand oben an der Treppe und konnte nicht alleine herunterkommen: Christian, hilf mir bitte. So ähnlich schaute er mich jetzt an. Ich erinnerte mich an die erste Fahrstunde, die ich ihm gegeben hatte.

„Spiel nur! So einfach geht die nicht kaputt“, ermunterte ich ihn.

Er murmelte etwas, ich kapierte dann, dass er zu der Gitarre sprach. Dann schlug er die Saiten an. Es dröhnte durch die Boxen. Erstaunt guckte Jonas nach Dave, der ganz gespannt war, wie Jonas damit zurechtkam. Er probierte noch einmal und noch einmal. Der nächste Versuch war dann schon eine verschlungene Tonfolge. Und noch eine und noch eine! Jonas schaute wieder zu Dave und grinste. Und Dave grinste auch: Es war gelungen, Jonas war auf die elektrische Heavy- Musik angesprungen, es konnte jetzt losgehen, der Rest würde sich von selbst entwickeln.

Igor war, sich den Kopf haltend, zu seinem Schlagzeug zurückgeeilt und saß schon in Positur. Jetzt kamen die zwei Streithähne in Blickkontakt. „Spiel doch, spiel doch!“ forderte Igor ihn auf.

„Igor ist Schlagen von Herz“, entgegnete Jonas, „fangen an, Jonas will hören.“

Das gefiel Igor, er war sofort mit einem Wirbel und dann mit einem flotten Rhythmus dabei. Sie hielten den Blickkontakt aufrecht und Jonas stimmte sich mit dem ungewohnten Instrument langsam ein. Es war vielleicht noch nicht ganz ausgefeilt, aber das Grundprinzip hatte er begriffen und es konnte nur besser werden. Auch Gerd stimmte sich ein und Dave strahlte.

„Jetzt noch du!“ forderte ich ihn  auf.

Das hätte er vor lauter Begeisterung fast vergessen. Er eilte zu seiner Gitarre und suchte den Einstieg.

Ich stand davor und staunte. Über Jonas, seine Sanftheit und seine Aggressivität, über Igor, der sich durch körperliche Gewalt überzeugen ließ, über Jonas´ musikalische Fähigkeiten und auch die Fähigkeit, sich so schnell auf unbekannte Geräte einzustellen, und über die Musik, die sich hier zu entwickeln begann. Jonas hatte Igor stark imponiert und dieser war jetzt auch offen, auf sein Gitarrespiel zu achten, welches ihm ebenfalls imponierte. Jonas überzeugte durch sein Können, er war offensichtlich ein Naturtalent.

Ich weiß noch, zum Schluss hatte Igor Jonas die Hand geschüttelt. Aber abfällige Bemerkungen über seine Stellung als Sklave machte er immer noch gerne, nur verkleidete er sie in Zukunft in scherzhafte Anspielungen. Ansonsten hatte sich Jonas eine klare Position erkämpft. Auch Dave und Gerd waren beindruckt von Jonas. Ich bin echt froh, dass ich nicht eingegriffen hatte.

Erst auf der Rückfahrt, als wir im Auto zu zweit waren, sagte Jonas: „I´m sorry, nicht böse sein!“

„Ich fand´s schon brenzlig,“ antwortete ich. „Wenn dir Igor was anhängen wollte, würd´s dir übel ergehen und ich könnte dir kaum helfen. Das will ich nicht, Jonas, forder´s nicht raus! – Aber Igor hat deine Körpersprache scheinbar gut verstanden, das Ganze war wohl nötig zum Ausgleich, komisch!“ Ich dachte kurz nach. „Nein, ich bin dir nicht böse,“ fügte ich noch hinzu, denn das schien ihm das Allerwichtigste zu sein. „Aber mach´s nicht nochmal, Jonas, ich weiß nicht, wie´s das nächste Mal ausgeht. Es ist zu riskant.“

Er nickte brav, der Teufel. „Yes“, sagte er.

Spirituelle Kunst – Das Buch „Schattenfindung“ / Leseprobe „Aktive Teilnahme“

Spirituelle Kunst in deinen  Händen.

Spirituelle Kunst

Leseprobe „AKTIVE TEILNAHME“

Brita: Dave hatte nicht nur Jonas´ Zimmer halb ausgeräumt, es war dadurch Platz für ein Bett und um es sich halbwegs gemütlich zu machen, sonder ihm auch ein Kasettengerät und etliche Hardrock-Kasetten besorgt, von denen sich Jonas gerne berieseln ließ, wenn er sich in seinem neuen eigenen Reich aufhielt. Leider hatte Dave von ihm nicht erfahren können, wann und wo er denn gelernt hatte, Gitarre zu spielen, aber dass er es konnte, verband die beiden auf besondere Weise. Um den Rest des Zimmers in Ordnung zu bringen, war Jonas noch nicht beweglich genug. Es war schwierig für ihn, sich aufzustützen, um sich auf den Beinen zu halten, und gleichzeitig Gegenstände wegzuhaben.

Ich hatte an diesem Tag nach Dienstschluss ein paar Kleider besorgt. Jonas´ Größe konnte ich ganz gut abschätzen, denn außer seinem Lendenschurz trug er auch öfter mal ein paar alte Hosen von Christian. Außerdem kaufte ich ihm noch ein paar T-Shirts und Pullover, vor allem in Schwarz, denn das würde ihm zu seinen langen schwarzen Haaren hervorragend stehen. Aber ich muss sagen, auch in Christians verlotterten Cord-Hosen sah Jonas gut aus, er sah eigentlich immer gut aus. Ich traf ihn im Bad an. Er war frisch geduscht und stand nackt vorm Spiegel und bürstete sich sein langes Haar durch. Zur Körperpflege hatte ich ihm ja vorher schon einge Tipps gegeben, die Bürste war seine eigene und es gab auch eine spezielle Salbe für die Narbe im Gesicht, die sich immer noch veränderte und ein Stück weiterheilte. Die Narben auf dem Rücken waren älter und brauchten nicht mehr so viel Pflege, aber ab und zu half ich Jonas, auch den Rücken einzureiben, so wie heute. Er ließ es sich gern gefallen und betrachtete sich dabei im Spiegel.

„Ich hab dir ein paar Sachen mitgebracht,“ erzählte ich ihm, „die kannste gleich mal anprobieren. Und dann ist hier ein sehr gutes Öl, das kannst du verwenden, wenn du gebadet hast. Was glaubst du, wie gut du dann duftest.“ Ich ließ ihn probehalber an der Flasche schnuppern. „Weißt du eigentlich, wie schön du aussiehst?“ fragte ich ihn, denn ich hatte noch nie vorher gesehen, dass er sich so im Spiegel betrachtete. „Weißt du eigentlich, wie du auf andere wirkst?“

Er deutet auf die Narbe im Gesicht. „Du vergessen“, sagte er nur.

„Jonas, das kann man auch vergessen, weil du insgesamt unheimlich schön bist. Weißt du das?“ Ich wollte unbedingt eine Antwort haben.

„Jonas weiß,“ sagte er. „Das ist Grund, warum Jonas lebt und alle anderen sind tot. Das ist Grund, warum Jonas bleibt am Leben, bevor Christian ist gekommen:“

Ich wußte nicht, wen er mit alle anderen meinte, aber ich wollte auch nicht so direkt danach fragen. Bei dem Wort „tot“ wurde mir doch ein bißchen unheimlich zu Mute.

Aber ich verstand, dass er es seinem Aussehen zu verdanken hatte, immer wieder überlebt zu haben.

„Und das ist Grund für Hunger von Menschen auf Jonas,“ fuhr er fort. „Jeder will haben für sich und benutzen für sich.“

Also hing nicht nur sein Überleben mit seinem Aussehen zusammen, sondern auch das Ausgebeutetwerden, das Begehrtwerden, sein Sklavenleben und viele damit einhergehende Bedrängungen. Wobei ich seine Schönheit nicht nur als eine optische Angelegenheit verstand, sondern seine ganze Ausstrahlung machte ihn zum Objekt der Begierde anderer, wahrscheinlich spielte auch ein provokativer Aspekt mit, denn es ging immer etwas Luftiges, Feuriges von ihm aus, als wenn er über allem stünde und frei davon wäre. Ich rieb ihn mit dem guten Öl ein und gab ihm das Fläschchen in die Hand, damit er selbst weitermachen konnte.

„Weißt du, Christian gefällst du auch sehr gut. Was glaubst du,was der für Augen macht, wenn er dich nachher sieht. Wenn du gut auf dich achtest und auch deine Haare pflegst, dann wird er sehr stolz auf dich sein.“

Er schaute mich an. Ich wußte, das war eine wichtige Information für ihn, denn er wollte Christian für sich gewinnen, mehr noch als er es schon getan hatte. Er hatte den Ehrgeiz, seine Sache gut zu machen und Christian nicht zu enttäuschen, vielleicht erst recht, weil es dieses Problem mit der Beinverletzung gab, das ihn so lahm legte. Ich holte ihm die neuen Kleider und er sah fabelhaft aus in den gut sitzenden Jeans und dem schwarzen Sweatshirt. Ich war begeistert. Ich bürstete nochmal seine langen Haare durch und wir standen dabei wieder vor dem Spiegel.

„Brita, warum ihr habt so viel Geld und du gehst arbeiten für Geld?“ wollte er plötzlich wissen.

Ich erzählte ihm, dass ich aus Überzeugung Krankenschwester geworden wäre, dass ich sehr religiös und christlich eingestellt sei und den Sinn meines Lebens darin sehen würde, anderen zu helfen. Ich würde auch gerne in ein Katastrophenngebiet reisen, um den Menschen dort beizustehen, oder länger in ein Entwicklungsland gehen. – Plötzlich befand sich meine Hand in seiner und er küsste sie flüchtig, ohne dabei seinen Blick vom Spiegel abzuwenden. Das war gleichzeitig komisch als auch als ernste Anerkennung für mich gedacht.

Ich lachte und schubste ihn sanft. „Du bist jetzt schön genug,“ entschied ich.

„Brita, ihr habt so viel Geld, warum da ist nicht ein Sklave oder Mensch für Geld in Küche für Arbeit?“ fragte er weiter. Ein Mensch für Geld sollte wohl ein Angestellter sein.

„Wir wollen das nicht so machen,“ antwortete ich. „Ich möchte nicht auf dem Geld herumreiten. Ich möchte ein einfaches sinnvolles Leben führen und wie unser Vater möchte ich nicht sein. Und Christian auch nicht. Obwohl Christian auch wieder inkonsequent und ein bißchen faul ist. Mit seinem reisigen Auto zum Beispiel. Aber wir wollen beide nicht mit unserem Vater zusammenarbeiten, sondern unser eigenes Leben führen. Deshalb betrachtet uns der Alte als mißraten und ist sauer auf uns, weil wir nicht in sein Geschäft einsteigen.“

„Jonas ist Sklave für Arbeit in Küche,“ beschloss er.

Ich war überrascht. „Du?“ staunte ich. „Kannst du kochen?“

„Nicht kochen, aber helfen. Du zeig mir! Wenn du kommst von Arbeit, dann Vorbereitung ist fertig für Essen kochen. Und Jonas macht Dreck weg. Ich kann.“

„Es wird schwierig sein, wenn du nicht laufen kannst,“ gab ich zu bedenken.

„Jonas wird machen, was geht.“ Sein Entschluss stand fest.

Ich zeigte ihm täglich verschiedene Arbeiten, die gemacht werden mußten, angefangen bei der Geschirrspülmaschine bis zum Frühstückstisch und dem Inhalt des Kühlschranks. Schwierig war es tatsächlich für ihn, Dinge zu heben, denn er brauchte meist beide Hände zum Aufstützen, aber es war trotzdem eine Menge, was er tun konnte, und er entwickelte Techniken, mit beidem, Stützen und Heben, fertigzuwerden. Vielleicht war darin auch die Übung enthalten, ab und zu das verletzte Bein zu benutzen. Von nun an gab es keine vollen Aschenbecher mehr, es standen keine Flaschen mehr herum und das Geschirr war immer sauber. Er war ein Spezialist in der Ungezieferbekämpfung und es verschwanden sämtliche Lebensmittelmotten aus der Küche. Er kochte uns Tee und schnipselte Gemüse klein und je besser er mit dem Bein zurechtkam, desto mehr weitete sich sein Aufgabenbereich aus. Ich war seine Küchenchefin und mit der Zeit überblickte er alles so gut, dass er mir regelmäßig mitteilte, welche Lebensmittel zu besorgen seien.

Nicht nur am Leben in der Küche nahm er teil. Sehr viel beschäftigte er sich mit der Gitarre, die Dave ihm dagelassen hatte, und er lernte eine Menge über Musik. Aber auch zwischenmenschlich war er sehr offen und hatte einen wohltuenden Einfluss auf uns alle. Wenn sich jemand von uns mit ihm beschäftigte, wurde er garantiert von dieser luftigen Freiheitsenergie angesteckt. Es machte einfach Spaß. Und Christian war stolz, das beobachtete ich immer wieder. Jonas gefiel ihm immer besser. Und grade deswegen, weil sich Jonas nicht sklavisch verhielt, sonder locker drauf war, so wie auch wir locker und freundschaftlich mit ihm umgingen. Nein, er war nicht einfach nur locker, mitunter war er auch ziemlich frech.

Spirituelle Kunst – Das Buch „Schattenfindung“

Spirituelle Kunst – SCHATTENFINDUNG Die Wiederkehr des Verdrängten. Ein Gleichnis über die Entdeckung und Integration des psychologischen Schattens in Form eines spannenden Romans.

Spirituelle Kunst

Erschienen im Triga-Verlag. 760 Seiten / 19,80 € / ISBN 3-89774-283-7

DER VERMITTLER

Der eigene gegengeschlechtliche Anteil

im Unterbewußtsein

ist ein wichtiger Vermittler

oder eine wichtige Vermittlerin

zwischen dem bewußten Ich

und dem Selbst der Ganzheit,

dem Zentrum,

dem Kern des menschlichen Mandalas.

Vinzent Liebig